Workshops zu Chat-Apps haben große Nachfrage

Während vor zwei Jahren noch soziale Netzwerke wie Facebook im Mittelpunkt standen, sind es heute Chat-Apps, vor allem WhatsApp, die für Kinder und Jugendliche nicht mehr wegzudenken sind. Das Problem besteht darin, dass sie mit solchen ChatApps sehr viel leichtfertiger umgehen als mit Facebook, da die Apps ihnen das Gefühl eines sicheren und geschützten Raumes geben. Wurde zuvor in Netzwerken viel zu oft "öffentlich gepostet", bleibt es in Chat-Apps ja schließlich innerhalb der Gruppe. Gerade wegen dieser oftmals zutage tretenden Leichtigkeit kommen Cybermobbing- aber auch Sexting-Fälle immer häufiger vor.

In zwei 6. Klassen in Schildow bei Berlin haben wir daher medienpädagogische Workshops durchgeführt, in denen die Kindern einen verantwortungsvollen Umgang mit Chat-Apps erlernt haben. Gemeinsam haben sie erarbeitet, wie Chat-Apps funktionieren und inwiefern sich über Chat-Apps verschickte Inhalte von persönlich mitgeteilten Informationen unterscheiden. Sie haben ein Verständnis für die Öffentlichkeit des Internets entwickelt und begreifen, was sich hinter der Aussage "Das Internet vergisst nicht" verbirgt. Darüber hinaus haben sie über Rechte und Rechteverletzungen diskutiert und damit einhergehend erkannt, wie schnell aus einem anfänglichen Spaß Cybermobbing werden kann bzw. wie schnell ein privates Bild in falsche Hände gelangen kann. Abschließend haben die Kinder ihre gewonnenen Erkenntnisse reflektiert und in Gruppen überlegt, wie sie selbst jüngere Chat-App-Einsteiger optimal darauf vorbereiten könnten.

Linktipp: Die Schattenseiten von Snapchat

Die Handy-App Snapchat ist besonders unter Jugendlichen sehr beliebt, da man mit ihr Fotos verschicken kann, die nach wenigen Sekunden wieder gelöscht werden. Doch Hacker haben nun aktuell gezeigt, wie es um die Sicherheit der Daten wirklich gestellt ist (ZEIT, 02.01.2014). Es gelang ihnen die Benutzernamen sowie Telefonnummern von 4,6 Millionen Nutzer ausfindig zu machen. Über Snapchat schicken sich vor allem Jugendliche gerne auch sehr private und intime Bilder, eben weil sie nicht gespeichert werden. Dass es im Internet keine 100%-ige Sicherheit gibt, ist leider vielen, vor allen jüngeren Nutzern, nicht immer bewusst. >>>Hier geht's zum vollständigen Artikel in der ZEIT

„Sexting“ – ein massenhafter Einzelfall

Das Wort Sexting setzt sich aus den englischen Begriffen "Sex" und "Texting" zusammen und meint das Verschicken sehr freizügiger oder nackter Bilder von sich selbst - meistens über das Handy (z.B. WhatsApp). Dieses Phänomen an sich ist nichts neuartiges und existiert schon seit Anbeginn des Internets und der Möglichkeit, Bilder zu verschicken. Neu daran ist, dass derzeitig viele Jugendliche (hauptsächlich zwischen der 6. und 8. Klasse) dieses sogenannte Sexting betreiben. Eine Studie aus Amerika zeigte 2012, dass tatsächlich jeder vierte Jugendliche schon einmal ein freizügiges Bild von sich verschickt hat. Meistens passiert dies innerhalb einer Beziehung oder zum Zwecke des Flirtens.

Kompliziert wird es, wenn beispielsweise eine Beziehung zu Bruch geht und einer der Partner Rache üben will oder aus Frust eine unüberlegte Entscheidung trifft. Oder jemand Fremdes aus dem Internet ein Mädchen oder einen Jungen erpressen will. Denn stellt jemand ein solches Bild online, geht oftmals eine Hetzjagd los. Das Opfer ist beschämt, wird möglicherweise von anderen gehänselt und im schlimmsten Fall sogar gemobbt. Doch wer kann die Verantwortung dafür tragen? Schließlich kann Jugendlichen nicht verboten werden, sich auszuprobieren, ihre Identität zu entfalten, seinen Körper zu entdecken und herauszufinden, welche eigenen Reize auf das andere (oder eigene) Geschlecht wirken. Ausprobieren in der Pubertät und in der ersten Liebe ist vollkommen normal. Jedoch sind sie sich der Reichweite des Internets oftmals einfach nicht bewusst. Weder können sie einschätzen, wie schnell sich darüber Informationen und demnach auch Bilder verbreiten, noch können sie vorhersehen, dass solche Bilder Jahre, sogar Jahrzehnte im Internet bestehen bleiben können.

Das Problem ist hierbei also nicht das Sexting an sich, sondern der Umgang mit dem Internet, der Sexting erst zum eigentlichen Problem macht. Jugendliche sollten an dieser Stelle nicht nur lernen, wie weit sie ihren Körper darstellen sollten, sondern darüber hinaus, welche Risiken es birgt, Bilder davon zu verschicken. Ein medienpädagogischer Ansatz ist daher unumgänglich.

Mehr Infos zum Thema Sexting gibt es auch auf folgender Website, die das Thema sehr informativ aufbereitet hat: wwww.projuventute.ch

Medienlaune bietet aufklärende Workshops (5.-8. Klasse), als auch Elternabende zum Thema Sexting an.