Soziale Netzwerke – vor allem eine Gefahr für Jüngere

Im Rahmen von Medienlaune haben wir im November in und um Berlin zwei medienpädagogische Workshops zum Thema "Internet und Soziale Netzwerke" mit 5.Klässlern durchgeführt, sowie in Zusammenarbeit mit "KUL unterwegs" einen Workshop zum selbigen Thema mit 4.Klässlern.

Auffällig ist, dass derzeitig immer jüngere Kinder bereits erste Erfahrungen mit sozialen Netzwerken machen. Bei Facebook angemeldet zu sein, ist für viele 9-10-Jährige vollkommen normal. Oftmals sind sie durch Freunde darauf gestoßen. Dass man sich erst ab 13 Jahren offiziell bei Facebook anmelden darf, umgehen viele, indem sie ihr Alter fälschen. Das wirklich Gefährliche daran: wer sein Alter dann so stark fälscht, dass er sogar über 18 Jahre alt ist, entgeht jeglichen Sicherheitsvorkehrungen auf Facebook. Von großer Sicherheit kann bei Facebook nicht die Rede sein, schließlich sind alle Privatsphäre-Einstellungen von Beginn an auf Öffentlichkeit und Kommunikation ausgelegt. Der Nutzer muss sich erst mühsam den Weg durch die ganzen Einstellungen, Privatsphäre-Einstellungen etc. durchklicken, um seine Daten selbst in der Hand zu behalten. Immerhin sind diese "Standardeinstellungen" für 13-17-Jährige zumindest etwas höher und damit sicherer eingestellt.

Wenn schon mit dem Alter schummeln, um Facebook doch schon einmal auszuprobieren, dann sollten Kinder wenigstens ein Alter unter 18 Jahren angeben, um etwas besser geschützt zu sein. Eine Lösung ist das aber nicht. Ein sicheres, Daten schützendes Kinder-Facebook muss her. Denn Kindern kann einfach noch nicht abverlangt werden, dass sie sich der Reichweite und des Ausmaßes veröffentlichter Daten bewusst sind.

Linktipp: ein Beitrag zum Thema Cybermobbing

In der "ZEIT" ist ein interessantes Interview mit einem Mädchen erschienen, das Opfer von Cybermobbing wurde und sich letztlich dagegen wehrte. Besonders deutlich wird in diesem Fallbeispiel wieder, dass die Opfer oftmals gar nicht wahrnehmen bzw. wahr haben wollen, wie ernst ihre Situation bereits ist. Und dass Täter sich der Konsequenzen nicht bewusst sind. Das ist es auch, was die meisten Opfer am schlimmsten fürchten: nicht ernstgenommen zu werden oder ihren eigenen Fall vielleicht überzubewerten.

">War doch ein Witz<, haben sie gesagt und: Musst du gleich zur Polizei rennen?" (ZEIT, 24.11.2013)

>>>Hier geht's zum vollständigen Artikel

„Sexting“ – ein massenhafter Einzelfall

Das Wort Sexting setzt sich aus den englischen Begriffen "Sex" und "Texting" zusammen und meint das Verschicken sehr freizügiger oder nackter Bilder von sich selbst - meistens über das Handy (z.B. WhatsApp). Dieses Phänomen an sich ist nichts neuartiges und existiert schon seit Anbeginn des Internets und der Möglichkeit, Bilder zu verschicken. Neu daran ist, dass derzeitig viele Jugendliche (hauptsächlich zwischen der 6. und 8. Klasse) dieses sogenannte Sexting betreiben. Eine Studie aus Amerika zeigte 2012, dass tatsächlich jeder vierte Jugendliche schon einmal ein freizügiges Bild von sich verschickt hat. Meistens passiert dies innerhalb einer Beziehung oder zum Zwecke des Flirtens.

Kompliziert wird es, wenn beispielsweise eine Beziehung zu Bruch geht und einer der Partner Rache üben will oder aus Frust eine unüberlegte Entscheidung trifft. Oder jemand Fremdes aus dem Internet ein Mädchen oder einen Jungen erpressen will. Denn stellt jemand ein solches Bild online, geht oftmals eine Hetzjagd los. Das Opfer ist beschämt, wird möglicherweise von anderen gehänselt und im schlimmsten Fall sogar gemobbt. Doch wer kann die Verantwortung dafür tragen? Schließlich kann Jugendlichen nicht verboten werden, sich auszuprobieren, ihre Identität zu entfalten, seinen Körper zu entdecken und herauszufinden, welche eigenen Reize auf das andere (oder eigene) Geschlecht wirken. Ausprobieren in der Pubertät und in der ersten Liebe ist vollkommen normal. Jedoch sind sie sich der Reichweite des Internets oftmals einfach nicht bewusst. Weder können sie einschätzen, wie schnell sich darüber Informationen und demnach auch Bilder verbreiten, noch können sie vorhersehen, dass solche Bilder Jahre, sogar Jahrzehnte im Internet bestehen bleiben können.

Das Problem ist hierbei also nicht das Sexting an sich, sondern der Umgang mit dem Internet, der Sexting erst zum eigentlichen Problem macht. Jugendliche sollten an dieser Stelle nicht nur lernen, wie weit sie ihren Körper darstellen sollten, sondern darüber hinaus, welche Risiken es birgt, Bilder davon zu verschicken. Ein medienpädagogischer Ansatz ist daher unumgänglich.

Mehr Infos zum Thema Sexting gibt es auch auf folgender Website, die das Thema sehr informativ aufbereitet hat: wwww.projuventute.ch

Medienlaune bietet aufklärende Workshops (5.-8. Klasse), als auch Elternabende zum Thema Sexting an.